Pflegemediation: Wenn Eltern zum Pflegefall werden
Eine bestehende oder drohende Pflegesituation kann zu vielfältigen Konflikten z. B. zwischen Eltern und erwachsenen Kindern oder zwischen Geschwistern untereinander führen. Dass eine Mediation in diesen Fällen gut geeignet sein kann, diese Konflikte zu lösen, ist noch nicht sonderlich bekannt. Daher möchten wir in diesem Artikel einmal die Möglichkeit der sogenannten Pflegemediation vorstellen.
Was ist überhaupt Mediation?
Jedenfalls hat Mediation nichts mit Meditation zu tun: Mediation heißt übersetzt soviel wie Vermittlung und ist eine Möglichkeit für die Beteiligten, eigenverantwortlich eine Lösung für ihren Konflikt zu erarbeiten. Bei der Mediation sitzen Sie also nicht nur still herum und tun nichts, sondern werden aktiv – unter Anleitung eines Mediators, der Sie durch den Mediationsprozess führt. Dabei geht es vor allem darum, dass bei der Vereinbarung, die das Ziel der Mediation ist, die Interessen und Bedürfnisse aller Beteiligten gewürdigt und berücksichtigt werden.
Wie kann nun eine Mediation für den Fall, dass Eltern zum Pflegefall werden, hilfreich sein?
Zunächst einmal kann eine sogenannte Pflegemediation sogar schon sinnvoll sein, bevor diese Situation eintritt. Das hat den Vorteil, dass die Eltern sich selbst aktiv an der Mediation beteiligen können. Aber auch nach Eintritt des Pflegefalls können die Eltern noch in die Mediation einbezogen werden. Es ist z. B. denkbar, dass die Mediation dann im Pflegeheim stattfindet. Und wenn der pflegebedürftige Elternteil aufgrund einer Demenzerkrankung nicht mehr in der Lage ist, aktiv an der Mediation teilzunehmen, kann eine Mediation zwischen den Geschwistern, gegebenenfalls noch unter Einbeziehung des Ehegatten des pflegebedürftigen Elternteils, sinnvoll sein.
Was können Sie alles in der Mediation vereinbaren?
Worüber Sie im Verlauf der Mediation Vereinbarungen treffen, entscheiden Sie selbst: So können Sie z. B. zur Frage der Übernahme der Pflegekosten zu einer Lösung kommen. Auch verschiedene Möglichkeiten, das Erbe der Eltern zu erhalten, können in der Mediation verhandelt werden. Geschwister können vereinbaren, wie die Pflege organisiert werden soll. Und Geschwister mit guten Einkommensverhältnissen, die dem Sozialamt keine Auskünfte über Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse geben möchten, können Vereinbarungen darüber treffen, wie die Pflegekosten unter ihnen aufgeteilt werden, so dass das Sozialamt außen vor bleiben kann.
Bei der vorbeugenden Pflegemediation können die Eltern gemeinsam mit ihren erwachsenen Kindern in der Mediation erarbeiten, was in einem Pflegefall gelten soll. So kann es beispielsweise Vereinbarungen darüber geben, wer die Pflege übernehmen soll – ein Pflegedienst, eines oder mehrere der erwachsenen Kinder oder ein Pflegeheim.
Es können außerdem Vereinbarungen getroffen werden zu Fragen der rechtlichen Betreuung, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen.
Es empfiehlt sich, begleitend zur Mediation eine rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen – denn nur wenn Sie über Ihre Rechten und Pflichten nach dem Gesetz Bescheid wissen, können Sie in der Verhandlung während der Mediation auch darüber verfügen.
Sie sehen also, es gibt vielfältige Anwendungsbereiche, in denen eine Pflegemediation sinnvoll ist. Unserer Meinung nach ist sie in vielen Fällen eine gute Investition in Ihre Zukunft und die Ihrer Eltern.
Wie finden Sie einen Mediator oder eine Mediatorin?
Wenn Sie an einer Pflegemediation interessiert und auf der Suche nach einem Mediator oder einer Mediatorin sind, empfehlen wir Ihnen die Mediatorensuche auf der Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation. Auch in unserer Kanzlei bieten wir Pflegemediation an. Beide Anwältinnen sind auch Mediatorinnen und wurden nach den Richtlinie der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation ausgebildet.